
Man hat ja inzwischen das Gefühl, dass in diesem Land kaum noch ein Thema zu klein, zu absurd oder zu offensichtlich widersprüchlich ist, um nicht zur großen gesellschaftlichen Grundsatzdebatte aufgeblasen zu werden. Es wird diskutiert, debattiert, empört und moralisiert – und am Ende bleibt oft nur ein schales Gefühl zurück: Was genau war jetzt eigentlich der Punkt?
Nehmen wir doch mal diese herrlich schiefe Schieflage: Da strandet ein Buckelwal an der Ostsee, und plötzlich überschlägt sich die Republik vor Anteilnahme. Sondersendungen, Expertenrunden, Tränen in den Augen. Gleichzeitig rollen jeden Tag zehntausende Tiere anonym durch die Schlachthöfe dieses Landes – still, effizient und vor allem ohne öffentliche Betroffenheit. Der Wal bekommt einen Namen, die Kuh eine Nummer. Willkommen in der moralischen Lotterie unserer Zeit.







