
Wenn Daten und Empirie die Reizwörter des Abends sind, dann findet man sich treffsicher in einem Saal personifizierter Wokeness wieder. Emilia Roig, eine Expertin bzw. eine „renommierte Expertin“, wie sie sich auf ihrer Website selbst bezeichnet, traf am zweiten Festivaltag auf Philipp Hübl im Kölner Comedia Theater. Svenja Flaßpöhler, die Teil der Programmleitung ist, bemühte sich als Moderatorin, nicht nur die inhaltliche Stringenz, sondern auch die Etikette guten Philosophierens zu rahmen. Von unserer Gastautorin
Doch Hübl als der weiße männliche Forscher verkörperte diejenige Projektionsfläche für die Berufsaktivistin Roig, mit der sie nicht mit, aber auch nicht ohne kann. Schließlich soll das eigene Geschäftsmodell der Dauerempörung aufgehen und es ging in weiten Teilen an dem Abend auf. Roig beherrscht eine intellektuelle Polemik – mit Dr.-Titel, das musste auch wiederholt vor sich hergetragen werden – die das wissenschaftsaverse Publikum nach jedem postkolonialen Buzzword ein „Whoohoo“ quietschen ließ.