Baut Atomwaffen

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Warum Staaten wie Taiwan, Südkorea und Deutschland Atomwaffen brauchen und sich nicht auf Sicherheitsgarantien der USA verlassen dürfen.

 

Die Ukraine hat 1994 ihre Atomwaffen aufgegeben. Insgesamt rund 1700 einsatzfähige Sprengköpfe sowie alle dafür benötigten Trägersysteme hat die Ukraine aufgegeben und vollständig abgerüstet im Tausch für eine Sicherheitsgarantie der USA und Russlands, dass beide Staaten die Ukraine im Falle eines Angriffs verteidigen würden. Schwarz auf Weiß wurde das im Budapester Memorandum unterzeichnet. In Wahrheit hat die Ukraine nichts bekommen, außer einem Blatt Papier, wurde über den Tisch gezogen. 29 Jahre später hat einer der Handelspartner die Ukraine selbst angegriffen und der andere hat die Ukraine nicht verteidigt, lediglich unterstützt und will sich diese Unterstützung jetzt auch noch mit einem Knebelvertrag-Rohstoff-Deal fürstlich bezahlen lassen. Wenn die Ukraine heute noch Atomwaffen hätte, dann wäre sie nicht von Russland angegriffen worden und müsste auch nicht bei den USA, deren Schecks nicht gedeckt sind, um Hilfe betteln.

Ein weiteres Land, dass auf Druck der USA sein Atomwaffenprogramm aufgegeben hat, ist Taiwan. In den späten 80er-Jahren war das Atomwaffenprogramm Taiwans weit fortgeschritten. Bis auf die Trägersysteme hatte Taiwan alles fertig – sie hätten nur noch zusammenbauen und testen müssen. Die USA war jedoch lange darum bemüht, dass die Zahl der Staaten, die über Atomwaffen verfügen, nicht durch die Decke schießt und war deshalb immer bereit das Sicherheitsbedürfnis von Staaten wie Taiwan durch feste Sicherheitsgarantien zu befriedigen und ihnen so das Gefühl zu geben, dass eigener Atomwaffenbesitz nicht notwendig ist. So gab auch Taiwan auf Druck der USA sein Atomwaffenprogramm im Austausch für ein klares Beistandsversprechen der USA auf.

Amerikanische Sicherheitsgarantien sind eine Illusion

Im großen Exklusiv-Interview des Wirtschaftsmagazins Bloomberg mit Donald Trump aus dem Juli 2024, stellte dieser die Unterstützung Taiwans in Frage („Why are we doing this?“) wollte wissen, was die USA eigentlich dafür bekommen, stellte fest, dass Taiwan doch „immens reich“ wäre, beschwerte sich darüber, dass Taiwan die US-amerikanische Chipindustrie „gestohlen“ hätte. Am 26. Februar wurde er während eines Kabinett-Meetings von einem Reporter gefragt, ob er Taiwan verteidigen würde, wenn China eine Invasion Taiwans versuchen würde – er weigerte sich, dazu Stellung zu beziehen, verwies stattdessen auf seine gute Freundschaft zu Xi Jinping. Erst am 13. Februar hatte er seine Vorwürfe erneuert, dass Taiwan die amerikanische Chipindustrie gestohlen hätte und setzte nach: „Wenn sie es nicht zurückbringen, werden wir nicht sehr glücklich sein.“ („If they don’t bring it back, we’re not going to be very happy.“) Natürlich hat Taiwan nicht die amerikanische Chipindustrie gestohlen, sondern sie sich selbst aufgebaut. Aber sie ist wertvoll und Trump will sie haben. Genau wie China auch.

Wenn Taiwan also weiterhin in Frieden und Freiheit seinen Wohlstand genießen will, kann man ihnen nur eines empfehlen: Nehmt euer Atomwaffenprogramm wieder auf.

Die strategische Lehre, die man aus dem, was gerade mit der Ukraine passiert und dem, was droht mit Taiwan passiert, ziehen sollte, ist universell die gleiche: Die USA sind nicht zuverlässig und haben sich eingereiht in die Reihe von Großmächten, die versuchen sich einfach zu nehmen, was sie haben wollen. Wer in Frieden und Freiheit seinen Wohlstand genießen will, muss Atomwaffen bauen und darf sich auf gar keinen Fall auf amerikanische Versprechen verlassen, selbst wenn irgendwann wieder eine andere amerikanische Regierung an die Macht kommt. Die langfristigen Sicherheitsinteressen der in Wohlstand und Frieden lebenden Demokratien dieser Welt und ihrer rund 800 Millionen Einwohner sind viel zu wichtig, um sie den wechselhaften Launen wankelmütiger amerikanischer Wähler in die Hand zu legen.

Unzuverlässige Partner sind ein Sicherheitsrisiko

Südkorea ist durch die nordkoreanischen Atomwaffen und die drückende konventionelle Übermacht Nordkoreas bedroht und verlässt sich auf amerikanische Sicherheitszusagen. Das ist ein eklatanter strategischer Fehler. Südkorea muss dringend und schnellstmöglich ein Atomwaffenprogramm starten – ebenso wie Japan.

In Europa verfügen glücklicherweise Großbritannien und Frankreich über Atomwaffen, sonst sähe es düster aus, aber das reicht nicht. Mindestens auch Deutschland, Italien und Polen sollten dringend eigene Atomwaffenprogramme aufsetzen.

Wir dürfen unsere Sicherheit, unseren Wohlstand, unsere Freiheit und unser Überleben nicht davon abhängig machen, wie rechtschaffen, ehrlich und zuverlässig die Person ist, die von den amerikanischen Wählern ins Weiße Haus gewählt wird.

Lasst uns selbst für unsere Sicherheit sorgen.

Starten wir zwei, drei, viele Atomwaffenprogramme.

Lesen Sie auch: Robert Herr beschreibt, was nach der Wahl von Trump geschehen wird

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zweiigel
Gast
zweiigel
30 Tage zuvor

Nein, Deutschland braucht keine Atomwaffen. Abgesehen davon, dass niemand in der Welt es gerne sehen würde, dass ein Land, dass die letzten beiden Weltkriege vom Zaum gebrochen hat, solch eine Waffe besitzt, spricht noch etwas ganz anderes dagegen:

Jeder Fachmann weiß inzwischen, dass Atomwaffen ein nutzloser Fetisch sind. Ihr strategischer Wert ist unbestritten. Doch man kann sie taktisch nicht einsetzen.

Die nächsten Kriege werden mit autonomen Waffensystemen geführt. Sie werden klein sein, in Massen kommen und werden viel verheerender sein, als alles, was man sich vorstellen kann.

Gefährlich sind sie vor allem, weil man noch nicht einmal immer sicher wissen kann, von wem sie stammen. Ein unidentifizierbarer Feind kann aber auch nicht mit Atomwaffen bedroht werden.

Deutschland muss in die Abwehr autonomer Waffen investieren.

Peter Pasetti
Peter Pasetti
29 Tage zuvor

@zweiigel: „nutzlos“, aber mit „unbestrittenem Wert“ sind Atomwaffen also – der Widerspruch wäre beim zweiten Durchlesen sicher aufgefallen.

Taktisch nicht einsetzbar sind Atomwaffen übrigens nur dann, wenn beide Seiten über ein entsprechendes Arsenal verfügen. Ein ohne den amerikanischen Schutzschirm nahezu wehrloses Polen oder Baltikum wäre der Traum schlechthin für Putin. Trump juckt es nicht, wenn Warschau pulverisiert wird. Und ob Frankreich oder Groß-Britannien in dem Fall wirklich entsprechend reagieren, ist zumindest anzuzweifeln.

Darüber hinaus kann man ja das eine tun, ohne das andere zu lassen. Denn selbstverfreilichst müssen wir auch dringend in autonome Waffensysteme (und deren Abwehr) investieren.

zweiigel
Gast
zweiigel
29 Tage zuvor

https://www.ruhrbarone.de/baut-atomwaffen/243522/#comment-1368779

Atomwaffen sind nutzlos für den Zweck, der in dem Artikel genannt wird.

Denn: Niemand, der ein Land erobern will, wird ernsthaft erwägen, dieses mit Atomwaffen anzugreifen. Es ergäbe überhaupt keinen Sinn, weil man ein verseuchtes Land erst einmal gar nicht in Besitz nehmen könnte.

Atomwaffen hingegen beschafft sich ein Land aus genau zwei Gründen:

Erstens wenn es sich von einem militärisch konventionell stärkeren Gegner bedroht sieht.

Zweitens wenn es militärisch schwächere Gegner einschüchtern will.

Die Behauptung eines militärischen Gleichgewichts durch Abschreckung ist m.E. nur vorgeschoben, um den eigenen Imperialismus zu verschleiern.

Wenn zum Beispiel die Vereinten Antarktischen Staaten (VAS) das Phantasische Reich (PR) erobern wollten, dann müssten sie dies konventionell tun, da es sonst verseucht wäre. Ist das PR aber wirtschaftlich und militärisch stärker, können die VAS das nicht tun. Da helfen auch nukleare Waffen nicht weiter.

Ist Phantasien hingegen wirtschaftlich und/oder militärisch schwächer, erobern die VAS das Land womöglich. Wenn das Land länger nicht kooperiert, setzen die VAS exemplarisch Atomwaffen ein. So geschehen damals in Japan. Und so wäre es womöglich in der Ukraine geschehen.

Das einzige Mittel dagegen wäre, dass sich der unterlegene Gegner selbst Atomwaffen zulegt. So geschehen in Nordkorea.

Atomwaffen sind also entweder ein Ausdruck von Imperialismus oder von Schwäche.

Da Deutschland ja wohl kaum imperialistische Ziele verfolgen sollte, bleibt nur noch militärische Schwäche übrig. Sich dabei aber auf Abschreckung zu verlassen, wäre ein extremer Fehler, weil eben m.E. der nächste Gegner durch Atomwaffen gar nicht zu bekämpfen ist. 

Gute Beispiele wären Laos oder Vietnam. Die USA haben dort keine Atomwaffen eingesetzt, u.a. weil man dafür gar keine Ziele gehabt hätte. Gegen hunderttausende von Kalaschnikows, die von ebenso vielen Kämpfern dezentral getragen werden, helfen auch keine Atombomben.

Selbst gegen Atombomben, die von Terroristen eingesetzt würden, helfen einem Atomwaffen nicht, da der Gegner kein Zentrum hat, das man angreifen könnte.

Drohnen sind so etwas wie die Kalaschnikows des 21. Jahrhunderts. Atomwaffen werden dagegen nicht helfen. Sie sind nur ein Placebo um zu überdecken, dass man militärisch eigentlich schlecht vorbereitet ist. Lieber steckt Deutschland all seine Kraft in die Bekämpfung von autonomen Systemen. Denn der nächste Krieg wird dort entschieden.

Peter Pasetti
Peter Pasetti
28 Tage zuvor

https://www.ruhrbarone.de/baut-atomwaffen/243522/#comment-1368780

Das Beispiel Japan ist also bekannt? Weder wurde Japan „erobert“, noch wurde es verseucht. Japan musste nach zwei Nuklearschlägen schlicht und ergreifend aufgeben. Japan konnte man darüber hinaus auch nur mit Atomwaffen angreifen, weil es selber über keine verfügte.

Das weltweit einzige und überaus erfolgreiche Beispiel eines Atomwaffeneinsatzes ist also bekannt – und trotzdem wird mit 100 Sätzen kognitiver Dissonanz drumherumgeschifft. Da kann ich nicht mehr helfen.

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