Deutsch-Israelische Gesellschaft fordert Entschuldigung von Linkspartei-Abgeordneter

Cansın Köktürk im Bundestag Foto: Cansın Köktürk /Instagram

Bei ihrem ersten Auftritt im Bundestag trug die Bochumer Linkspartei-Abgeordnete Cansın Köktürk eine Kuffiyeh, den Hass-Lappen der Palästinenser. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar/Mannheim verlangt nun eine Entschuldigung.

Schon an ihrem ersten Tag im Bundestag zeigte die Bochumer Bundestagsabgeordnete Cansın Köktürk, dass sie die antiisraelische Tradition ihres Kreisverbandes im Parlament hochhalten will: Sie trug eine Kuffiyeh, den Hass-Lappen der Palästinenser, und postete ein Foto davon auf ihrem Instagram-Account.  Bild berichtete zuerst über den Vorfall. Auch Köktürks Vorgängerin Sevim Dagdelen, die bis zu ihrem Wechsel zu Bündnis Sahra Wagenknecht für die Bochumer Linke im Bundestag saß, war immer wieder durch ihre Ablehnung Israels aufgefallen. 2010 gehörte sie neben Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz zu den Abgeordneten ihrer Partei, die nach einer Rede des damaligen israelischen Präsidenten Shimon Peres sitzen geblieben waren, als sich alle anderen erhoben.

In einer Stellungnahme fordert nun die Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar/Mannheim Köktürk auf, sich zu entschuldigen: „Mit Entsetzen und tiefer Bestürzung nehmen wir zur Kenntnis, dass die Bundestagsabgeordnete Cansın Köktürk (Die Linke) öffentlich und stolz mit einer Kuffiyeh – dem sogenannten Palästinensertuch – im Deutschen Bundestag posiert. Zur gleichen Zeit traf sich Bundespräsident Steinmeier mit einer Gruppe von aus der Geiselhaft der Hamas befreiten deutschen Geiseln sowie mit Angehörigen von ermordeten Geiseln und auch derer, die noch in Gaza festgehalten werden.“ Das Verhalten der Politikerin bezeichnete die Organisation als abscheulich: „Die Kuffiyeh ist längst kein neutrales Kleidungsstück mehr. Sie steht symbolisch für eine Ideologie, die in ihrer radikalisierten Form die Vernichtung Israels propagiert. Seit den 1960er Jahren ist die Kuffiyeh durch Jassir Arafat und die PLO zum Erkennungszeichen anti-israelischer, oft auch antisemitischer Bewegungen geworden. In vielen Kontexten wird das Tuch nicht nur als Zeichen palästinensischer Solidarität verstanden, sondern auch als Unterstützung von Gewalt gegen Jüdinnen und Juden – sowohl in Israel als auch weltweit.“ Das Tragen des Tuches sei ein Affront „gegenüber den Opfern antisemitischer Gewalt, gegenüber den jüdischen Gemeinden in Deutschland und gegenüber dem israelischen Volk.“

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar/Mannheim fordert nun „eine öffentliche Entschuldigung von Frau Köktürk und eine klare Distanzierung von jeglicher Symbolik, die mit Antisemitismus, Hass auf Israel und Gewalt in Verbindung gebracht wird. Außerdem erwarten wir von ihrer Fraktion und den anderen demokratischen Parteien im Bundestag, dass sie solche Auftritte nicht dulden, sondern konsequent verurteilen.“

Dass es zu beidem kommt, ist eher unwahrscheinlich. Köktürk ist mit ihrer Haltung zu Israel in der Fraktion der Linken nicht allein: Ihr Berliner Kollege Ferat Koçak ist eng mit der antiisraelischen Szene der Hauptstadt verbunden und posierte nach einem Bericht der Jungle World schon mit einer Wassermelone, einem Symbol der „Palästina-Proteste“, vor dem Bundesadler im Plenarsaal.

Die 32-jährige Köktürk kann auf eine wechselhafte politische Laufbahn zurückblicken: Nachdem sie in ihrer Jugend Mitglied der Linken war, verließ sie die Partei wegen Sahra Wagenknecht und schloss sich 2020 den Grünen an. Nachdem sie 2022 bei den Grünen keinen Listenplatz für die Landtagswahl im selben Jahr bekam, brach sie mit dem Vorstand der Bochumer Grünen, dessen Mitglied sie war, denn der eigene Kreisverband hatte sie bei ihrer Landtagskandidatur nicht unterstützt. 2024 trat sie wieder in die Linke ein und zog am 23. Februar über die nordrhein-westfälische Landesliste der Partei in den Bundestag ein. „Sie wird immer wieder für Schlagzeilen sorgen“, sagte ein Bochumer Grüner diesem Blog. Die Partei sei erleichtert gewesen, als Köktürk austrat. „Wir vermissen sie nicht.“ Köktürk sei sehr links und gleichzeitig sehr karrierebewusst. „Nun kann sie als Bundestagsabgeordnete ihr Linkssein mit einem guten Gehalt verbinden. Ich denke, das war immer ihr Ziel.“

 

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