Update: Heute morgen wurden den Ruhrbaronen Fotos zugespielt, die beweisen, dass der langhaarige Nazi in seiner Faust ein Pfefferspray hält. Der Finger liegt eindeutig auf dem roten Druckkopf der Flasche. Bei Herunterdrücken tritt das Pfefferspray aus. Strafrechtlich wird es jetzt für ihn eng: Denn Pfefferspray („Reizstoffsprühgerät“) gilt als Waffe, wenn das Spray dazu bestimmt ist, „die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen.“ Das gilt für die dokumentierte Situation. Man kann also davon ausgehen, dass die Polizei ermitteln wird. Einen bewaffneten Angriff auf Journalisten findet niemand lustig – das Gericht bestimmt auch nicht.
Nazi-Berichterstattung: Schlechte Zeiten für Journalisten? Ein Bilderbuch.
Den Ruhrbaronen wurde heute ein Video zugespielt, auf dem man deutlich sieht, wie einer der Rechten Demonstranten am vergangenen Samstag auf der Nazi-Demo in Dortmund auf die berichtenden Journalisten mit erhobener Faust und einem Gegenstand in der Hand, der wie Tränengas aussieht, zuläuft. Er brüllt sie laut mit „Verschwindet hier!“ und „Verpisst Euch“ an. Der daneben stehende Polizei blickt dem Nazi noch nach, der sichtbar aggressiv und in Rage an ihm vorbeirennt. Doch statt einzugreifen, dreht er sich just in diesem Moment um – obwohl der Polizist in der Hand eine Filmkamera zur Dokumentation der Demo-Ereignisse hält. Aufmerksame Polizeiarbeit sieht anders aus. Aber vielleicht sollte ja auch nur linke Gewalt gefilmt werden? Gut erkennbar ist in dem Film auch,
dass der Nazi unmittelbar und körperlich sehr nah einen Foto-Journalisten bedrängt. Das Tränengas hält er immer noch in seiner geballten Faust. Und auch der Kameramann des Video-Filmes wird während dem Drehen von einem weiteren „Alt“-Nazi angegangen. Er versucht noch den Rechtsextremen mit beschwichtigenden Worten zu beruhigen – kann ihn sich aber am Ende nur noch knapp auf Armlänge vom Leib halten.
Den Ruhrbaronen wurden zudem gestern ein Film und einige Fotografien zugeschickt, die zeigen, wie die Polizei die Arbeit eines Journalisten-Kollegen behindert. Der Pressefotograf weist in dem Video den drängelnden Polizisten noch darauf hin „Das ist aber mein Job hier!“ – als er auch schon von dem behelmten Polizisten, der mit einer großen Tränengasflasche in der Hand herumfuchtelt, abgedrängt wird.
Während Journalisten von der Polizei eindeutig bei ihrer Berichterstattung gestört wurden, konnten die Rechten den Polizeipräsidenten Gregor Lange ganz ungestört belauschen. Auf einem der Fotos sieht man wie Timo Pradel, Landesorganisationsleiter der NPD, so nahe neben dem Polizeipräsidenten steht, dass er das Telefonat hätte mithören können. Aber vermutlich hat Herr Lange ganz leise geflüstert und seine Frau auch nur gefragt, was es heute zum Abendessen gibt.
Bei dem älteren Neo-Nazi der mit dem Tränengas rumfuchtelt sollte es sich doch um den etwas runtergekommenen Peter Gläser handeln. Ein langjähriger Weggefährte von SS/SA-Siggi aka GG Sissi. (Siegfried Borchardt). Gläser ist einer der „Mitbewohner“ der Wohnung in der Gneisenauerstraße. Zur not mal bei den örtlichen Antifa-Strukturen nachfragen die helfen euch da sicher!
Euer Bericht gibt leider nur die halbe Wahrheit wieder. Nur Sekunden später drängt ein Polizist Peter Gläser zurück, um dem Fotoreporter zur Seite zu stehen. Auch davon gibt es Fotos. Peter Gläser bedroht Journalisten übrigens auf jeder Demo. Meistens hat er eigene Aufpasser an seiner Seite, die ihn zurückhalten – so gesehen auch kurze Zeit später beim Betreten des Westentors. Auch davon gibt es Fotos…..
Ganz abgesehen davon fand ich die Polizisten nicht überfordert. Sie haben die Möglichkeiten geschaffen, Gegendemonstrationen dicht an die Neonazis heranzuführen. Das haben wir immer gefordert.
Das der Polizei jetzt vorzuwerfen, ist traurig.
Toller Bericht, Danke dafür das man auch mal einen Einblick in die Arbeit der Journalisten und Reporter bekommt und ihr euch für unsere Sensationslust manchmal auch in Gefahr begebt. Ich denke gerade mit Journalisten sollte man sich gut stehen, denn das geschriebene Wort hat immer noch eine grosse Macht.
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Der Polizeibeamten der den Fotigrafen bedrängt und schubst, wurde darauf hingewiesen, dass hinter bzw neben ihm eine Straftat begangen wird (Pfefferspray auf Demo ist eine verbotene Bewaffnung). Sein Kommentar: „darum kann ich mich nicht kümmern“. Stimmt, er war ja damit beschäftigt, den Fotografen, der am Rand der Demo stand, am fotografieren zu hindern…..
Ironie der Geschichte ist, das später die Nazis noch Pfefferspray gegen Beamte einsetzten.
Peter G. rüttelte zu Beginn auch schwer am Zaun und schrie den Demonstranten ein „Ihr Juden!“ entgegen. Zeitgleich wickelte sich ein anderer Nazi eine Stahlkette um die Faust.
Ich werfe in meinem Artikel der Polizei nicht vor, dass sie die Gegendemonstranten zu nah an die Nazis rangelassen hat. Es stimmt, dass die Forderung der Gegendemonstranten immer war, auf „Hör- und Sichtweite“ zu demonstrieren. Das war am Samstag der Fall. Allerdings war es so nah, dass die Situation gerade auch für die PolizeibeamtInnen während der Flaschenwürfe und kurz vor dem Abzug der Nazis Richtung Westentor eine Zumutung war. Mit einer Reihe Polizisten zwischen den Gegendemonstranten und den sehr aggressiven Nazis – das war kein Spaß und mehr als eng. Ich stand dazwischen und sage: Hier hätten mehr Einsatzkräfte hingehört. Ein Beamter forderte per Funk „Verstärkung“ an, die kam aber leider nicht schnell genug. Gekonnte Polizeiarbeit heißt, die notwendige Menge an zur Verfügung stehenden Polizisten im Vorfeld richtig einzuschätzen (dafür hat man auch den Staatsschutz). Das ist auch wichtig, um die eigenen Leute bei der Polizei nicht in Bedrängnis zu bringen oder Situationen – bei denen mangels „Manpower“ ein Eingreifen schwierig geworden wäre – zu verhindern. Wenn Flaschen, Dreck und volle Tetrapaks durch die Gegend fliegen, kann eine Situation auch schnell mal kippen. Und dann nur eine Reihe Polizisten … das wäre wirklich traurig geworden.