Günter Grass: „Aber natürlich bin ich dagegen. Himmel, Herrgott“

 

Günter Grass, Foto: Florian K, Quelle: WorldcupWiki (Eigene Aufnahme)

Günter Grass hat der liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz ein Interview gegeben, das Peter Jahn, wie er in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung schreibt, für „erklärungsbedürftig“ hält. Grass, Schriftsteller, Jahrgang 1927, Träger des Literaturnobelpreises (1999), vom Nobelpreis-Komitee dafür geehrt, dass er „in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat.“ In seinen Werken behandelt Grass die Zeit und die „Aufarbeitung“ des Nationalsozialismus und thematisiert dabei deutsche Traumata wie Schuld, Verdrängen und Vergessen. Jahn, Historiker, Jahrgang 1941, leitete von 1995 bis 2006 das Deutsch-Russische Museum in Berlin. Jahns Forschungsschwerpunkt war (und ist) der deutsche Überfall auf die Sowjetunion und die Stellung des Krieges 1941–45 im kollektiven Gedächtnis der beteiligten Völker.

„Erklärungsbedürftig“
Peter Jahn hat seinen Beitrag über das Grass-Interview in der Haaretz überschrieben mit: „Relativierung von Kriegsgräueln: Wie Günter Grass den Weltkrieg verrechnet“. Ich möchte Ihnen

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Technophonic mit Francesco Tristano bei der Ruhrtriennale, Freitag, 2.9.

Während beim Techno seit der Gründerzeit die Revolution vor allem von den Maschinen ausging, erobern die Ingredienzen dieser Musikrichtung jetzt die Konzertsäle zurück. Der Detroiter DJ-Künstler Jeff Mills hatte hier gewissermaßen eine Pioniertat vollbracht, als er seine elektronisch generierten Tracks für großes Sinfonieorchester arrangierte und damit charismatisches Hörkino lieferte! (Jeff Mills: Blue Potential –  live with Montpellier Philharmonic Orchestra, Tresor Records 2006)  Aktuell sorgt ein junger, aus Luxemburg stammender Pianist für Furore, der in heiligen New Yorker Konservatoriums-Hallen die Klassik studierte – und bei dem sich der ästhetische Bogen seitdem völlig selbstverständlich von Bach über den Minimalismus eines John Cage bis hin zur Clubkultur von heute spannt. Denn diese begreift Tristano, der heute in Barcelona lebt, als die wohl dynamischste Form musikalischer Gegenwart.

„Ideosynkrasia“ lautet sein aktuelles Album, und dies rückt die exzellente Pianistik des 1981 geborenen in ein verblüffendes Licht, wenn unter seinen Händen repetitive Texturen von bestechender Klarheit entstehen, und die jedem gut gebauten House-Track das Wasser reichen können. Zugleich bewahrt ihn eine immense kompositorische Fantasie von jedem schnöden Crossover-Denken – das wird beim Hören des Albums hinreichend deutlich.

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‚Datteln IV-Gegner‘ und Bürger der Region informieren sich über Sachstand

Nachdem Anfang August mit der öffentlichen Auslegung der Unterlagen (u.a. in den Rathäusern in Datteln und Waltrop, sowie beim RVR in Essen) bereits die Frist zur Stellungnahme und Widerspruch gegen die geplante Änderung des Regionalplans zu Gunsten des Kraftwerksneubaus in Datteln für die Bürger angelaufen war, bot sich Interessierten und Kraftwerksgegnern von Datteln IV nun am Montag die Möglichkeit sich aus erster Hand vor Ort im Schatten des bereits fast betriebsbereiten Kühlturms über den aktuellen Sachstand zu informieren und Tipps zu erhalten.  Von unserem Gastautor Robin Patzwaldt

Ins ‚Haus Dieckmann‘ in Datteln hatte die Bürgerinitiative ‚Bürger informieren Bürger‘ geladen. Und zur Verstärkung war extra Philipp Heinz aus Berlin angereist. Heinz ist der Anwalt der der Waltroper Familie Greiwing, in der Öffentlichkeit allzu häufig gerne geringschätzig als ‚Waltroper Bauernfamilie‘ bezeichnet,  zu ihrem vielbeachteten Erfolg bei Gericht  im Kampf gegen den Kraftwerksneubau in Datteln verholfen hat. Er gilt in Fachkreisen als einer der wenigen Experten in diesem Bereich.

Zur Unterstützung hatte sich RA Heinz an diesem Abend Dr. Thomas Krämerkämper zur Seite geholt. Krämerkämper betreut den Kampf gegen das Projekt für den BUND. 

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Der Ruhrpilot

Nazi-Demo in Dortmund

Naziaufmarsch 3.9.: Neonazis in Dortmund…Spiegel

Naziaufmarsch 3.9. II: Dortmunder zeigen Gesicht gegen Nazis…Ruhr Nachrichten

Naziaufmarsch 3.9. III: „Blockaden ein legitimes Mittel“…Der Westen 

Naziaufmarsch 3.9. IV: Wir suchen nicht Germanys next top model!…Alerta 

NRW: Modellversuch Sekundarschule…Welt

NRW II: SPD kennt beim NRW-Etat 2012 keine Tabus…RP Online

NRW III: Sichere Festivals…Coolibri

Ruhrgebiet: Innovation City – eine Region hilft sich selbst…Der Westen

Bochum: Zwischenfall – zerstört, aber nicht tot…Ruhr Nachrichten

Bochum II: Kundgebung zum Antikriegstag…Bo Alternativ

Bochum III: Wir sind VfL diskutiert im Rahmen der Fankonferenz mit Jens Todt auch über das Markenimage eines Ruhrgebietsvereins…Pottblog

Dortmund: Prostitution in der Nordstadt blüht wieder…Ruhr Nachrichten

Duisburg: Linke rüffeln den grünen Ratspartner…Der Westen

Essen: RAG-Zentrale auf Zollverein soll Norden stärken…Der Westen

Datteln: Bundesnetzagentur «dringend» für Kraftwerk…Bild

Umland: Der Föhnfackler von Siedlinghausen…Zoom

Umland II: Fragen und Antworten zum Bonner Sexsteuer-Automat…Bundesstadt-Blog

Ruhrgebiet-Berlin: Fünf Tage im August (3)

Am Landwehrkanal

Dritter Tag, 25.8.

Sponsered by Opel
Gegen Mittag brechen wir auf zur geplanten Spontan-Fahrradtour durch Berlin. Irre, wie B. ein Rad für mich auftreibt. Nachdem der Riesenladen, den wir zwei anlaufen, wider Erwarten keine Räder vermietet, fährt er, der sein eigenes Superbike bereits unterm Hintern hat, allein weiter zum Opel-Autohaus in der Nähe. Dieses Autohaus hat ihm einst bei Reparaturen seines alten Corsa schon öfter mal ein Not-Rad zur Verfügung gestellt. Die kennen ihn also, hofft er. Nur diesmal gibt er ja keinen Wagen in die Werkstatt, dennoch gelingt es ihm unter vollem Charmeeinsatz ein Zweirad für mich rauszuleiern ( erzählt er mir später). Ich darf’s für einen Tag benutzen, gratis, Adam Opel sei Dank. Das Rad ist etwas klapprig, nicht wirklich gängig, hat aber drei Gänge, das muss reichen. B. lacht, als er auf seinem Rad, das gesponserte Rad an einer Hand, bei mir vorfährt. Dann macht er aus der verabredeten 25-Kilometer-Tour durch Berlin mindestens 45. Am Schluss werde ich fix und alle sein, die Gallen-OP von Ende Juni wirkt noch nach, aber Männer können halt nicht einmal spazieren radeln, ohne zu konkurrenzhubern.

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Nazis: Schüsse auf Café in Dortmund?

Im Café Aufbruch im Dortmunder Stadtteil Hörde treffen sich Studenten und die örtliche Geschichtswerkstatt. Nun wurden auf das Café zwei Schüsse abgegeben. Ein weiterer Nazianschlag im Vorfeld des Aufmarsches am kommenden Samstag?

Nur wenige Tage vor dem fünfjährigen Bestehen des Café Aufbruch in Dortmund Hörde kam es in der Nacht von Sonntag auf Montag zu einem Anschlag auf das Café: Zwei Schüsse beschädigten die Schaufensterscheibe des Cafés. Es war der zweite Anschlag in diesem Jahr: Bereits im April waren die Scheibe und die Fassade des Cafés mit Nazisprüchen besprüht worden.

Die Polizei gab sich nach einer Pressemitteilung des Cafés betont lässig:

Die Polizei geht davon aus, dass für Gäste des Café Aufbruch keine Gefahr besteht. Die zerschosssene Scheibe reihe sich in die üblichen Sachbeschädigungen ein, die vor den Naziaufmärschen am ersten Septemberwochenende in Dortmund verstärkt zu verzeichnen sind.

Wir wünschen uns, dass die Polizei die Menschen in Dortmund vor Gewalttaten schützt, anstatt am nächsten Wochenende gegen den Protest der Bevölkerung den Aufmarsch der Nazis zum wiederholten Male durchzusetzen.

Aber man muss der Polizei natürlich recht geben: Solche Anschläge sind in Dortmund mittlerweile üblich.Der Anschlag ist nur einer von vielen in den vergangenen Wochen. Zur Zeit vergeht kaum ein Tag an dem die Nazis nicht in Dortmund und Umgebung zuschlagen.

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WAZ dementiert Nienhaus-Aus

Die FTD berichtete heute darüber, dass nicht nur Bodo Hombach sondern auch sein Co-Geschäftsführer Christian Nienhaus den WAZ-Konzern verlassen wird. Jetzt kam das Dementi.

Das Bodo Hombach, der Vertreter der Brosts in der WAZ-Geschäftsführung gehen wird, wenn die ihre Anteile verkauft haben, scheint sicher. Überraschend hingegen  der Bericht in der Financial Times, nachdem auch der Grotkamp-Vertreter Christian Nienhaus das Unternehmen nach der Neuordnung verlassen wird. Gerade kam das Dementi. Nienhaus bleibt:

“ In einigen Medien ist im Zusammenhang mit dem Angebot der Frau Petra Grotkamp, 50 % der Anteile an der WAZ-Mediengruppe von der Familie Brost zu erwerben, be- richtet worden, dass der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe Christian Nienhaus vor der Ablösung stehe. Diese Berichterstattung entbehrt jeglicher Tatsachengrund- lage. Frau Grotkamp hat volles Vertrauen in Herrn Nienhaus und schätzt seine Tätig- keit außerordentlich. Frau Grotkamp möchte auch in Zukunft erfolgreich mit Herrn Nienhaus zusammenarbeiten.“

Während OB Sierau im Rathaus Dortmund als Hort des Widerstandes preist, verteilen die Nazis davor Flugblätter

Ullrich Sierau

Heute sollte sich das gute Dortmund zeigen: Oberbürgermeister Ulrich Sierau hatte zur Pressekonferenz geladen, um die Aktivitäten der Stadt gegen Nazis vorzustellen. Die verteilten derweil vor dem Rathaus Flugblätter.

Die Stadt Dortmund, Oberbürgermeister Ulrich Sierau und zahlreiche Vertreter von Verbänden, Gewerkschaften und Kirchen, darunter auch das Bündnis Dortmund nazifrei  stellten heute in einer Pressekonferenz  ihre gemeinsamen Pläne gegen die Nazis vor – für den kommenden Samstag und für alle anderen Tage des Jahres, denn das gemeinsame Ziel sein, sagte Sierau, das Dortmund wirklich nazifrei wird.

Sierau: „Dortmund ist keine Nazi-Hochburg sondern eine Hochburg des Widerstandes gegen Nazis. Diese Stadt steht für Toleranz und Interkulturalität.“ Und während er gemeinsam mit seinen Mitstreitern erklärte, dass es in Dortmund kaum Nazis gäbe und die sich Dortmund als Demo-Standort vielleicht „wegen der günstigen Verkehrslage“ ausgesucht hätten, zog ein gutes Dutzend von Neonazis auf dem Friedensplatz vor dem Rathaus auf, um mit Flugblättern für den Naziaufmarsch am Samstag zu werben.

Genau diese Demonstration will Sierau verhindern – zur Not auch mit Sitzblockaden, die er für ein legales Mittel hält und zu denen er gemeinsam mit dem Bündnis Dortmund nazifrei aufruft. Ob er sich selbst an einer Blockade beteiligen wird, ließ Sierau indes offen.

Wie in den vergangenen Jahren setzt die Stadt darauf, gemeinsam mit Initiativen und Vereinen den Nazis den Raum zu nehmen: Friedensfeste, Konzerte, Demonstrationen und Kundgebungen sollen ihren Bewegungsspielraum einschränken und ein Zeichen gegen die Rechtsextremisten setzen, die sich von Aktionen dieser Art bislang allerdings nicht stören lassen.

Anders als im vergangenem Jahr sollen zu den Protesten in der Nordstadt alle Demonstranten hingelangen und nicht mehr von der Polizei an der Teilnahme gehindert werden. Pfarrer Friedrich Stiller vom Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus: „Wenn legaler Protest nicht mehr möglich ist, macht es keine Sinn mehr, Demonstrationen anzumelden.“