Eine Stadt, zwei Planeten, drei Jahre Krieg. Ukrainer in Bochum #1

„Man muss in das Bild hineinhören“: Ukraine im Herbst 2024 (c) Ruhrbarone

„Jeden Morgen aufwachen und lesen, wie viele Familien nicht mehr aufgewacht sind.“  Nacht für Nacht schlagen Raketen in ukrainische Häuser ein, Tag für Tag. Sie vernichten das Leben auch derer, die entkommen sind, Ukrainer im Haus nebenan. Öffentlich spielt kaum eine Rolle, was sie seit ewigen drei Jahren durchleben, die Wahl am Sonntag führt über sie hinweg, dafür braucht es keinen Trump. Wir haben Ukrainer in Bochum befragt, wie sie  –  einen Klick von Zuhause entfernt  –  auf ihr Leben blicken. Teil 1 einer formlosen Gesprächsreihe

„Wir alle leben im Spagat, zerrissen zwischen zwei Ländern: dort, wo unsere Lieben unter Raketen und Explosionen zurückgeblieben sind, und hier in einem friedlichen und schönen Land …“ Sagt Oksana* (43), promovierte Chemikerin, Lehrerin, zweifache Mutter: „Sobald ich gedanklich in jene schrecklichen ersten Tage des Krieges eintauche oder mich einfach an mein wunderschönes, einst glücklichstes Leben erinnere, stürze ich in die Hölle eines unerträglichen Schmerzes. Mein ganzes Leben vor meiner Ankunft in Deutschland war von absolutem Glück erfüllt. Jeden Morgen, wenn ich aufgewacht bin, habe ich geprüft, ob die Freude noch in mir war  –  und sie war immer da. Ideen kamen und wurden wirklich, als würde mich eine höhere Kraft auf Händen tragen.“

Dann Putins Angriff, drei Jahre her, seitdem lebt Oksana mit dem Wissen, „dass es Menschen gibt, die meine Familie töten wollen.“ Dann dieser Satz:

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Serie (1): Eine Welt ohne die USA – Trumps neues Atlantic City

Der russische US-Präsident Donald Trump (Bild: Sebastian Bartoschek/ Midjourney)

Eine neue Weltordnung entsteht, seit Trump die USA in die Bedeutungslosigkeit einer Regionalmacht zu führen angetreten ist. In den kommenden Wochen wird in lockerer Folge beleuchtet, was das auf einer größeren Ebene bedeutet: Welche Machtstrukturen entstehen? Wer füllt das geopolitische Vakuum? Wer schützt Polen, und was ist mit Europa? Zum Einstieg schauen wir darauf, wie Trump die USA vom Hegemon zum neuen Atlantic City macht.

Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump und Vizepräsident J.D. Vance verfolgen eine isolationistische Politik, die die geopolitische Landschaft neu ordnet und das Machtgefüge zwischen Europa, Russland und China verändert. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg steht Europa vor der realen Möglichkeit, ohne die USA als Schutzmacht dazustehen. Die transatlantische Beziehung wird zunehmend zu einer transaktionalen Partnerschaft degradiert – eine Entwicklung, die sich bereits in wirtschaftlichen und militärischen Bereichen manifestiert.

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Blau-Weiße Achterbahnfahrt: Schalke feiert, aber warum eigentlich?

Großer Zusammenhalt auf Schalke nach dem Zitter-Sieg gegen Karlsruhe. Foto: Michael Kamps

Der FC Schalke 04 ist und bleibt eine der großen Enttäuschungen der laufenden Zweitligasaison 2024/25. Von den noch vor Beginn der Spielzeit angepeilten Aufstiegsplätzen noch immer weit entfernt, kann man den Gelsenkirchener Profikickern eines jedoch nicht vorwerfen: dass ihre Spiele langweilig wären.

Jüngstes Beispiel: der bis zum Schlusspfiff auf der Kippe stehende Heimsieg am Sonntagmittag gegen den Karlsruher SC. Obwohl spielerisch in fast allen Bereichen drückend überlegen, gelang es den Schalkern nicht, sich einen komfortableren Vorsprung herauszuspielen als ein 2:1. So wurde die Schlussphase in der Arena zur unerwünschten Zitterpartie.

Das Gute daran

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Bundestagswahl 2025: Wie egal sind schwerbehinderte Kinder?

Die Pflege von Menschen mit Behinderung ist in Deutschland eine oft übersehene Herausforderung. Claudia Staudt, Mutter einer schwerbehinderten Tochter, beschreibt den Alltag pflegender Eltern: nächtliche Unterbrechungen, fehlende Kurzzeitpflege und finanzielle Unsicherheit. Viele Eltern müssen ihren Beruf aufgeben, weil Pflege und Erwerbsarbeit nicht vereinbar sind. Besonders problematisch ist, dass die Pflegepolitik stark auf alte Menschen ausgerichtet ist – Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung werden oft nicht mitgedacht.

Ein Beispiel: Pflegegeld wird nach 28 Tagen Krankenhausaufenthalt gestrichen, obwohl Eltern weiterhin die Hauptpflege leisten. Auch fehlt es an Betreuungsmöglichkeiten in den Ferien. Staudt fordert daher ein echtes Care-Gehalt, um pflegende Eltern finanziell abzusichern, sowie eine größere Flexibilität bei Entlastungsleistungen. Die bürokratischen Hürden müssen abgebaut werden, damit Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

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Kunsthochschule Kassel: „Besuch bei der mächtigen Layla Khaled. Gelobt sei Allah.“

Instagram Account von Jabbar Screenshot und Zusammenstellung: Ruhrbarone


An der Kunsthochschule Kassel kündigte im Januar 2025 eine Studentin gemeinsam mit dem Skater und Palästinaaktivisten Mohammed Zakaria eine Ausstellung an. Sie sollte „But there will be Resistance!“ heißen. Von unserem Gastautor Jonas Dörge.

Während über die Studentin sich nur herausfinden lässt, dass sie zuvor als Auszubildende in einer Kasseler Bäckerei tätig war und sonst ein

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