Stinkende Probleme bei der AGR-Entsorgungs-Tochter DAR

In Herten beschweren sich derzeit duzende Bürger über ihren müffelnden Nachbarn, die AGR-Entsorgungstocher DAR. Zur Erinnerung: die AGR steckt in diversen finanziellen Zwickmühlen und gehört ansonsten dem Regionalverband Ruhr, RVR.

Die betroffenen Nachbarn in Herten stören sich am Gestank, der an der Hohewardstaße über Mauern und Zäune der DAR zieht. Nach Angaben der Hertener Grünen werden auf dem Gelände offensichtlich große Mengen von Abfall gelagert. Unzählige Möwen würden den Müll nach fressbarem durchpicken. Dazu sollen Ratten über die Dreckhaufen flitzen. So eine Art Neapel Außenstelle Herten-Nord. 

Nun gut. Die Grünen berichten, sie hätten bei einer Ortsbesichtigung gesehen, wie der Plastikmüll ungesichert auf dem Gelände vor sich hin gammelt. Die Hallen seien so überlagert, dass der Dreck aus den Zwischenräumen quillt.

Und weil Anwohner-Beschwerden bei der Stadt nicht gebracht hätten, habe man die Bezirksregierung in Münster eingeschaltet. In der kommenden Woche soll es erste Gespräche zwischen Grünen, Anwohnern und Bezirksregierung geben. Wir werden über die Ergebnisse berichten.

Hier nun einige Impressionen vom Gelände der AGR-Müllfirma-Tochter DAR: 

Warum ich nicht protestieren werde

In Bochum soll eine sozialtherapeutische Anstalt für Sexual- und Gewaltstraftäter gebaut werden. Ich wohne in der Nachbarschaft und werde nicht gegen den Bau protestieren.

Natürlich habe ich mich nicht gefreut, als bekannt wurde, dass das Land nur gut 500 Meter von meiner Wohnung entfernt eine sozialtherapeutische Anstalt für Sexual- und Gewaltstraftäter bauen will. Könnte ich es mir aussuchen, die Anstalt käme an einen anderen Ort. Aber da das alle künftigen Anlieger so sehen werden, muss das Land sich nun einmal für einen Standort entscheiden und, ganz objektiv betrachtet, ist der in meiner Nähe nicht der Schlechteste: Er liegt direkt neben der Krümmede, einem der größten Gefängnisse des Ruhrgebiets und der Polizeikaserne, in der die Bochumer Einsatzhundertschaft untergebracht ist.

Mir ist es wichtig, dass solche Täter streng überwacht werden und die Polizei nicht weit ist, wenn doch mal was passiert. An diesem Standort geht beides. Dass sich viele gegen die Ansiedlung wehren und auch die Stadt auf die Barrikaden geht, ist leider normal: Es herrscht das St. Florians Prinzip:  Man wünscht sich die Bedrohung an einem anderen Ort, denn man kann sich ihr nicht entziehen: Solange man der Ansicht ist, dass es Straftäter gibt, die behandelt werden müssen, was ich bin, braucht man einen Ort, an dem das geschieht. 

Ich fand es immer arm, wenn sich Anwohner in anderen Städten gegen solche oder vergleichbare Einrichtungen in ihrer Nachbarschaft gewehrt haben – und jetzt, wo ich einer der Anwohner bin, habe ich nicht vor, meine Haltung zu ändern: Der Standort auf dem Gelände der Krümmede geht  aus den beschrieben Gründen in Ordnung. Die Castroper Straße ist nicht, wie es die Verwaltung  darstellt, der attraktive Eingang zur Stadt, sondern vom ersten bis zum letzten Haus eine der hässlichsten Straßen Bochums, und dass Beamtenwohnungen für den Neubau abgerissen werden, ist zu vertreten: Das Land wird, es ist ja unser Geld, den Umzug der Betroffenen großzügig regeln, und der Bochumer Wohnungsmarkt ist so entspannt, dass alle bald eine Wohnung finden werden. Außerdem kann das Land ein solches Projekt nur auf eigenem Grund und Boden umsetzen –  an jedem anderen Ort  wären die Widerstände noch größer.

Was ich mir jetzt wünsche, ist keine populistische Diskussion über Sexualstraftäter. Als Anwohner will ich über die Sicherheitsmaßnahmen informiert werden, und von mir aus kann der Zaun gerne ein wenig höher ausfallen und die Zahl der Wachen größer werden. Ansonsten heißt in einer Gesellschaft zu leben nicht nur, die Annehmlichkeiten willig anzunehmen, sondern auch die negativen Konsequenzen mitzutragen. Ich würde mir wünschen, wenn das bald einige Bochumer Politiker ebenso formulieren würden. 

Übrigens: Rübe ab Kommentare werden wir, wie immer, nicht freigeben.  

Ein Mann betritt den Ring

Foto: presseportal

Manchmal, wenn die Nacht am tiefsten ist. Wenn alles nur noch grau und schwarz erscheint, kommt plötzlich ein Lichtstrahl aus einer unerwarteten Richtung. In diesem Fall ist der Lichtstrahl rund Einmetersiebzig hoch, 67 Jahre alt und hat einen Hang zum Übergewicht. Die Rede ist von Wilhelm Bonse-Geuking und der Debatte um das einheitliche Ruhrgebiet.

Gestern abend stellte sich der Chef der RAG-Stiftung bei seinem Auftritt vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf als Mann mit Ambitionen für das Ruhrgebiet vor. Er hielt eine erste politische Grundsatzrede, in der er von allen Verantwortlichen im Pott unverblümt mehr Kooperation einfordert. Damit nicht genug. Der Ex-Manager der Veba und BP, der gelernte Bergmann und Wirtschaftslenker bringt Ideen mit.

Und das ist ein heller Hoffnungsschimmer. Denn nach dem Ausscheiden der WAZ aus der Ruhrgebiets-Debatte drohte die Suche nach einer Idee für die Ruhrstadt zu versanden. Es schien, als wäre die Frage nach der richtigen Lösung für den Pott nur noch etwas für alte Männer mit dem Hang zum Idealismus. Eine staubige Sache für staubige Menschen.

Geschenkt, auch RAG-Chef Bonse-Geuking ist ein alter Mann. Aber zumindest in seiner Position ist er jung. Die Stiftung hat erst seit wenigen Monaten Geld, um ihren Auftrag zu erfüllen, das Revier auf den Ausstieg aus dem Kohlebergbau vorzubereiten.

In seiner Analyse geht der Mann aus der Wirtschaft weit. Er sagt, die Region leide daran, dass zu viele Leute etwas zu sagen hätten und doch nur ihre eigenen Interessen verfolgen würden. Das Gesamte gerate ihnen zu oft aus den Augen. Er sagt, seit über 50 Jahren sei die Frage unbeantwortet: „Wo liegt die Zukunft der Ruhr?“ Und das will er ändern.

Er plädiert dafür, einen gemeinsamen Sinn zu finden. Ein Ziel zu definieren, dass es zu erreichen gelte. Erst wenn man das geschafft habe, sei es möglich eine Prioritäten-Liste aufzustellen, was zu welchem Zeitpunkt zu geschehen habe.

Bonse-Geuking beschreibt das Grundproblem in der Schwäche eines gesunden Mittelstandes, aus dem die Kreativität für den Wandel kommen könnte. Diese innovative Schicht sei „unterentwickelt, viel mehr als anderenorts in NRW.“ Die Menschen hätten sich stattdessen viel zu lange auf die Stärken der Großindustrie verlassen. Er gibt ein Beispiel, das ich gerne in ganzer Länge zitiere:

Bei einer Adventsfeier des Bergwerks Prosper Haniel sang ein eindrucksvoll frischer, fröhlicher Chor junger Bergleute unter anderem das schöne Lied: „Glückauf ihr Bergleute jung und alt.“

Darin gibt es eine Strophe, in der heißt es: „nun lobt die werte Obrigkeit, die für uns sorgt und fürderhin zu sorgen ist bereit.“

Die Erwartung, die da oben werden schon für uns sorgen, ist nach meinem Eindruck tief in der Mentalität des Ruhrgebietes verankert.

Und dann sagt Bonse-Geuking:

Wie erreichen wir den Mentalitätswandel?

Bonse-Geuking will die Menschen erreichen, will sie mitnehmen auf die Reise in die Zukunft. Er will ein gemeinsames Ziel finden und dieses verfolgen. Dazu sucht er nicht die eine zentrale Steuerung, aber einen ordnenden Gedanken, der für alle eine Gewinner-Position schafft.

Viele kennen diese Worte und denken an die Summe der Einzelteile, die nie im Ruhrgebiet ein Ganzes gab. Viele werden an die Versuche der Projekt Ruhr GmbH unter Hanns-Ludwig Brauser erinnert, der alle Oberbürgermeister und Landräte zusammenholte, um einen Plan für das Ruhrgebiet zu entwerfen. Bei diesem Scheitern kam eine Sammlung von individuellen Wünschen heraus, die wenig Gemeinsames brachte. Dafür Millionengräber wie den Ruhrpiloten oder das Projekt Digitales Ruhrgebiet.

Bonse-Geuking denkt als Realist weiter. Er sagt, man müsse zur Not die Gemeinden zu ihrem Glück zwingen. Das gehe relativ einfach. Wenn man nämlich Zuwendungen von gemeinsamen Ideen abhängig mache. Etwa beim Konjunkturpaket II, das in wenigen Wochen und Monaten  über 2 Mrd Euro nach Nordrhein-Westfalen spülen soll.

Bonse-Geuking sagt, er wünsche sich, dass es eine „zentrale Priorisierung“ für das Geld gebe. Es müsse nach dem Grundsatz verfahren werden: „wo erreichen wir den größten Nutzen für das Ruhrgebiet als Ganzes?“

Dies ist in meinen Augen ein großer Wurf.

Momentan suchen alle Städte nämich für sich alleine nach Möglichkeiten, das versprochene Geld zu investieren. Niemand hat bisher davon gesprochen, die Millionen für gemeinsame Ziele auszugeben. Auch der Chef des Regionalverbandes Ruhr, Heinz-Dieter Klink nicht, von dem man soetwas hätte erwarten können, wenn er das Format dazu hätte.

Bonse-Geuking aber sagt: „Wir brauchen ein Ziel und eine Strategie für das Ganze.“ Die Oberbürgermeister und Landräte im Revier werden diese Sätze beunruhigen, genauso wie den verschlafenen Direktor des Regionalverbandes.

Hier ist einer der Ideen hat, der führen will und es auch kann. Dass Bonse-Geuking zudem als RAG-Stiftungs-Chef Macht hat und über Einfluss bis in die NRW-Landesregierung hinein verfügt, macht aus der Unruhe vielleicht Sorge.

Was ist, wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) die Idee aufnimmt?

Vieles ist denkbar.

Selbst für die Stiftung gibt sich Bonse-Geuking ein politisches Programm. Er will mit seinen Mitteln über die RAG Immobilientochter und die RAG Flächenverwaltung Pilotprojekte initiieren, die zeigen, was man erreichen kann. Wie man Viertel aufwecken kann aus dem Tiefschlaf. Wie man Bildung zu jungen Leuten bringt nd Aufbruchstimungen erzeugt. An diesen Erfolgen wollen dann alle teilhaben, ist sich der politische Manager sicher.

Ich drücke Bonse-Geuking die Daumen, dass er seine Träume nicht aufgibt, sondern die Kraft findet, sie durchzusetzen. Mich freut es ungemein, dass sich hier ein neuer politischer Kopf in den Ring gestellt hat. Die Punkte werden ab jetzt neu vergeben.

Ruhrgebiet Aktuell am Donnerstag

Nachrichten aus dem Ruhrgebiet

Überraschung: Sozialdemokrat lobt CDU…Pottblog

Ruhr2010: 2-3 Straßen Projekt…Frankfurter Rundschau

Gesundheit: Ruhr Uni gegen Heuschnupfen…Daily Mail

Verfolgung: Nazis jagen Antifaschisten…Der Westen

Spass: Gelsenkirchen wird Zockermetropole…Gelsenkirchen Blog

Umfrage: weitgehend unsinnige Unternehmerbefragung in Dortmund…Claudia blogt

Ruhrfestspiele:
Das neue Programm…Der Westen

Masern: Stadt schießt drei Schule in Gelsenkirchen…Gelsenclan

Arbeitskampf: Sollen Lehrer streiken?…Zoom

Live: Baender Bender…Unruhr

Und sonst:

Geschichte: Das vielleicht erste Emoticon der Geschichte…nerdcore

Stefan Aust: Ex-Spiegel-Chef bei Elke Heidenreich als Bücherwurm…littv

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Werner Butter gestorben

"Das Ruhrgebiet – Ein starkes Stück Deutschland" war die bislandg erfolgreichste Kampagne für das Ruhrgebiet. Nun ist Werber Butter, der Vater der Kampagne gestorben.

"Der Pott kocht" oder "Ruhr hoch N": Keine Werbekampagne für das Ruhrgebiet war bislang so beliebt (und so erfolgreich) wie die Kampagne "Das Ruhrgebiet – Ein starkes Stück Deutschland." Bis heute wirken die Motive modern. Doch die Kampagne sah nicht nur gut aus, sie brachte durch ihre Responseelemente – man konnte zu jedem Motiv Material anfordern – tausende dazu, sich über das Ruhrgebiet zu informieren. Der Mann der sich die Kampagne ausgedacht hat war der Werber Werner Butter und der ist nun auf Mallorca gestorben.

Für Butter war die KVR-Kampagne Zeit seines Lebens seine beste Arbeit. Und sie war ein Vorbild für zahlreiche andere Regionallampagnen.

Don Alphonso: Blogout bei DerWesten

DerWesten streicht sein Blog-Angebot zusammen, meldet Don Alphonso.

"DerWesten, das Onlineportal der WAZ-Gruppe, hat wissen lassen, dass selbst die alten Hungerlöhne im niedrigen dreistelligen Bereich für frei angestellte Blogautoren zu viel sind", schreibt Don Alphonso auf Blogbar.de. Ausnahme: Das Videoblog Lost in Deutschland (LiD) von Mario Sixtus. Laut Don Alphonso hat Sixtus einen guten Kontakt zu DerWesten-Chefin Katharina Borchert.

Auf Anfrage erklärt Katharina Borchert, dass nicht alle sondern nur die erfolglosen Blogs gekündigt wurde: "Ich halte es  für einen völlig normalen Prozess, ein Experiment (in diesem Fall also ein konkretes Blog) wieder einzustellen, wenn es nachweislich nicht ‚funktioniert‘, d.h. auf kaum Resonanz bei unseren Nutzern stösst. Und wir haben das ja nicht mal eben vier Wochen ausprobiert, sondern z.B. 14 Monate bzw. 10 Monate lang. Das würden wir übrigens auch bei LostinDeutschland so machen. Jedes Projekt steht in regelmäßigen Abständen auf dem Prüfstand – ganz normale Praxis in allen mir bekannten Häusern, die längst nicht nur für Blogs gilt."

Borchert sieht keinen Zusammenhang zwischen der Verpflichtung von Sixtus und ihrer Bekannschaft untereinander: "(…) Mario Sixtus kenne ich in der Tat inzwischen ganz gut und schätze ihn sehr. Aber die "Szene" ist nicht besonders groß und ich kenne die meisten Menschen, die interessante Projekte der unterschiedlichsten Art machen. Muß ich jetzt deshalb Inhalte im Ausland einkaufen, am besten in Südamerika, wo ich noch nie war und daher absolut unverdächtig bin? Die Entscheidung für LiD habe ich nicht allein getroffen, sondern gemeinsam in der damals vierköpfigen Geschäftsleitung. Den Ausschlag gab dabei vielmehr mein damaliger Co-Geschäftsführer, der restlos begeistert war und LiD auch in seiner neuen Tätigkeit gerne als Anschauungsobjekt präsentiert."

Für den Don liegt das Scheitern der Westen-Blogs auch darin begründet, dass die Qualität der Blogs schlecht war, was er wiederum auf die miese Bezahlung der Blogger zurückführt: "(…) ich denke insgesamt, dass die WAZ mit einem Winzbudget nach grossen Versprechungen die Winzleistungen bekommen hat, die sie verdient", so Don Alphonso in einer Antwort auf Borcherts Kommentar bei Blogbar.

Hört man sich ein wenig in den WAZ-Kreisen um, gibt es noch einen weiteren Grund für das Blogout beim Westen: In einer Zeit, in der nahezu ein Drittel der WAZ-Redakteure vom Stellenabbau bedroht sind, sei es der Belegschaft nicht zu vermitteln, Geld für Blogger auszugeben.

 

Experiment: Wieviel ist uns Musik wert?

Was sind wir bereit für Musik zu zahlen? Bochumer Forscher suchen mit einem Experiment nach Antworten.

Eine Branche kämpft ums Überleben. Das Wasser steht ihr bis zum Hals und es ist nicht klar, welche klangvollen Namen bald vielleicht verschwinden werden.

Nein, die Rede ist nicht von den Banken, sondern von der Musikindustrie – wenn man dieser darbenden Branche überhaupt noch den Titel "Industrie" zugestehen möchte – immerhin reden wir ja auch nicht von der Holzschuhindustrie. 

Immer weniger CDs werden gekauft, und das Wachstum der Onlineshops kann den Rückgang der Verkäufe nicht kompensieren. Die Gründe sind vielfältig: Der demographische Wandel, die Entmystifizierung der CD durch den Brenner, miese Bands und sicher auch alles, was nach Napster kam.

Nachdem die Branche mittlerweile aufgehört hat, jeden Kunden als potentiellen Verbrecher zu sehen und nicht mehr darauf besteht, jedes Stück  mit einem  Kopierschutz zu versehen, wird nun mit neuen Vertriebswegen experimentiert. Vor allem einzelne Bands setzen darauf, ihre Stücke zum Download anzubieten und die Bezahlung den Kunden zu überlassen. Die britische Band Radiohead hat ihr Album In Rainbows auf diesem Weg angeboten – und 62 Prozent griffen zu, ohne zu zahlen. Aber immerhin: 38 Prozent haben bezahlt, und um die geht es bei einem Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Marketing an der Ruhr-Universität Bochum. Bei dem Projekt wird über eine Internetseite ein Album der Band Tellaro zum Download angeboten. Die Nutzer entscheiden selbst, wie viel sie für das  Album bezahlen möchten und werden zu einer Paypal-Site weiter geleitet. Ganz umsonst bekommt man das Album jedoch nicht: Mindestens 40 Cent PayPal-Gebühren kostet der Spaß, und nach dem Kauf kommt noch der Fragebogen: Mit dem wollen die Forscher nach dem Download die Motivation der Nutzer in Erfahrung bringen.

WAZ feiert Zuschauerzahlen bei NRW.TV

Die WAZ-Gruppe freut sich. Der Sender NRW.TV, an dem der Konzern eine Beteiligung hält, hat seine Zuschauerzahl innerhalb eines Jahres verdoppelt. Jeden Tag würden nun 530.000 Menschen den Spartenkanal einschalten, heißt es in einer Erklärung. Ich finde, das ist nicht viel: kann man das überhaupt in Marktanteilen in der relevanten Zielgruppe ausdrücken? Egal, dem WAZ-Konzern scheint es zu reichen. Es heißt, das werbefinanzierte NRW.TV habe zudem im vergangenen Jahre einen Gewinn gemacht. Wie hoch der ist, wurde nicht mitgeteilt. Wenn ich die Angaben später bekomme, baue ich sie noch ein.

Der Chefredakteur der „Neuen Ruhr / Neuen Rhein Zeitung“, Rüdiger Oppers, ist als Ex-WDR-Sprecher einer der NRW.TV-Geschäftsführer und zudem verantwortlich für das gesamte Fernsehgeschäft der WAZ-Gruppe. Er sagt: „NRW.TV ist für uns ein wichtiger strategischer Baustein in der crossmedialen Vernetzung von Zeitung, Radio und Internet. Wir werden diesen Erfolg weiter ausbauen und in 2009 im Bereich Information und Unterhaltung weitere programmliche Ideen und Akzente setzen.“ Ich bin gespannt. Wie ich gehört habe, wird für Beginn des Jahres dazu ein großer Aufschlag vorbereitet. Doch dazu später mehr…..

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Reitz tritt im Namen der NPD auf

Der vorbestrafte Rechtsradikale Axel Reitz will im Rhein-Erft-Kreis auf dem Ticket der NPD für das Amt des Landrates kandidieren. Das besondere daran? Axel Reitz ist wegen Volksverhetzung bei einer Demonstration gegen den Bau der Bochumer Synagoge zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Eigentlich hätte er bis April 2009 sitzen müssen. Reitz kam aber nach einem Bericht der Seite indymedia  bereits über ein Jahr vor Ende der Frist aus dem Kast.

Nach Verbüßung der Strafe trat er vor kurzem in Passau als Redner auf und bezeichnete Demokraten als "Minusmenschen". Den dortigen  Polizeichef Mannichl werde weiterhin der Zorn der rechtsextremen Szene treffen. Zur Geschichte von Reitz gehört noch, dass er Adolf Hitler für den letzten legitimen Kanzler Deutschlands hält und dass er als "Gauleiter Rheinland" für den neonazistischen "Kampfbund Deutscher Sozialisten" auftrat. In der Szene gilt Reitz als "Prominazi". Seine Kandidatur im Namen der NPD belegt, wie eng die Verbünde zwischen der Neonazi-Szene und der NPD in NRW geworden sind.

Davon ab, outet sich Reitz auch als ziemlicher Querkopf. So tritt er für eine begrenzte Zusammenarbeit der Nazis mit extremistischen islamischen Organisationen in Deutschland ein. Zitat aus einem Interview mit dem freien Widerstand bergisches Land: 

Viele Religionsfanatiker und aggressive Migranten sehen im Islamismus den Hebel mit dem sie die westliche Welt aushebeln können und bedienen sich der Religion als Mittel im Kulturkampf gegen die westliche Dekadenz. Diesem Kampfziel können auch wir als Nationalsozialisten und Nationalisten vorbehaltlos beipflichten.

Wieder eine dieser ziemlich wirren Fronten im Kampf der Kulturen. Linksextreme Antisemiten verbünden sich mit Hamasaktivisten und Neonazis, während Antifa-Antideutsche für Israel provozieren. Alle wollen eines: die weslliche Dekadenz überwinden. Da bin ich doch gerne dekadent in meiner warmen Bude.

Interessant ist noch, dass Reitz im Rhein-Erft-Kreis offenbar gegen die rechtsdrehende pro NRW-Fraktionsvorsitzende Judith Wolter kandidiert. Das ist ziemlich gut so, denn dann jagen sich die Rechtsextremen gegenseitig die Stimmen ab und verschwinden hoffentlich in der nächsten Spaltung.

Die Grüne Jugend fordert nund den Landeswahlleiter auf von der Wahlliste zu streichen. "Reitz darf als bekennender Antisemit und wegen seiner Vorstrafen nicht als Wahlbeamter kandidieren. Entsprechende Urteile der Verwaltungsgerichte in Mecklenburg-Vorpommern müssen umgesetzt werden", sagte die Chefin der jungen Grünen Verena Schäffer.

Hertie vor dem Ende?

Hertie Kaufhäusern im Revier droht das Aus

In 64 seiner 74 Häusern ist das insolvente Unternehmen Hertie nur noch Mieter – und nun hat der Insolvenzverwalter erstmals drei Kündigungen wegen ausgebliebener Mietzahlungen akzeptiert und klar gemacht, sie auch für alle weiteren Häuser zu akzeptieren. Es handelte sich um die Hertie-Häuser in Wesseling zwischen Köln und Bonn, in München-Giesing und in München-Laim.
Offensichtlich, so ein Experte, will Hertie nicht mehr um alle Standorte kämpfen und ist bereit, die meisten seiner Häuser aufzugeben: "Für mich ist das ein klares Zeichen, dass Hertie kurz vor dem Ende steht."
Im Ruhrgebiet betrifft dies neben vier Hertie-Filialen in Essen Häuser in Datteln, Dinslaken, Dortmund-Appelbeck, Duisburg-Walsum, Gelsenkirchen-Buer, Gladbeck Hattingen, Herne, Kamen, Lünen und Meschede.
Das Unternehmen Atis Real, das mit der Vermarktung der Häuser beauftragt ist, ist auf Nachfrage optimistisch, für die meisten der Gebäude neue Nutzer zu finden. In den allermeisten Fällen müssten die Gebäude jedoch neu aufgeteilt werden, da es nur selten einen Großfilialisten gäbe, der die Häuser komplett nutzen möchte.
Ich kenne zwar nicht die Situation in allen Städten, aber für  Gladbeck beispielsweise wäre ein Aus für Hertie fast so etwas wie der Todesstoß für die Innenstadt – dort steht schon das alte P&C Kaufhaus fast komplett leer. Von den Jobs bei Hertie ganz zu schweigen…