Ist es realistisch, dass BVB- und S04-Kicker ein gemeinsames ‚Revier‘-Team bilden? Foto: Robin Patzwaldt
Klingt zunächst ja schon einmal recht unglaubwürdig, ist aber wohl doch Realität: Zum Abschied von der deutschen Steinkohleförderung im Jahre 2018 treten die erbitterten Revier-Rivalen Schalke 04 und Borussia Dortmund gemeinsam zu einem Freundschaftsspiel gegen die polnische Nationalmannschaft an. Das zumindest kündigte am Dienstag noch der Chef der RAG-Kohlestiftung, Werner Müller, in Essen an.
Das angedachte Freundschaftsspiel im Frühsommer oder Herbst 2018 sei dabei nur eines von insgesamt rund 100 Projekten zum Abschluss der jahrhundertealten Steinkohleförderung, erläuterte Müller. Klar, dass ein solch ungewöhnliches Fußballspiel viel Aufmerksamkeit generieren würde.
BVB-Trainer Peter Bosz und BVB-Pressesprecher Sascha Fligge im Gespräch. Foto: Robin Patzwaldt
Auch wenn es in vielen Diskussionen rund um die Fußball-Bundesliga aktuell noch immer um den zu Beginn arg schwächelnden Videoassistenten und die daraus resultierenden Aufgeregtheiten geht, wird es nun, nach immerhin schon fünf absolvierten Spieltagen im Fußballoberhaus, auch mal wieder Zeit auf das sportliche Geschehen zu blicken. Und aus Ruhrgebietssicht kommt man da natürlich an der Tabellenführung von Borussia Dortmund derzeit nicht vorbei.
Klar, eine Tabelle nach so wenigen Spielen ist noch nicht wirklich aussagekräftig, und normalerweise sollte man ja auch erst nach rund 10 Spieltagen eine Platzierung dort etwas ernster nehmen, doch dass der BVB mit aktuell 13 von 15 möglichen Zählern auf Rang Eins thront, das ist schon etwas überraschend und auch hier ein paar Zeilen wert.
Fußballprofis führen im Regelfall nach ihrer Karriere ein Leben im Luxus. So wohl die allgemeine Einschätzung. Und vielfach trifft das ja auch zu. Doch eben längst nicht immer. Viele führen nach der aktiven Zeit im Glamour des Profisports ein recht unauffälliges, ein ziemlich ‚normales‘ Leben.
Ein Vertreter dieser dann natürlich im Regelfall deutlich weniger beachteten Gattung ist der ehemalige Berufsfußballspieler Knut Reinhardt, welcher u.a. mit dem BVB in den 1990er-Jahren große Erfolge feierte. Die Älteren hier werden sich sicherlich noch gut erinnern.
Bereits auf dem Platz war er seinerzeit als Leader gefragt, wenn er auch nicht zu den ganz großen Stars der Szene gehörte, jetzt jedoch im Klassenzimmer noch viel mehr. Nachdem Reinhardt, immerhin Champions-League-Sieger im Jahre 1997 mit den Dortmundern, mit 32 Jahren dann seine Profikarriere beenden musste, entschied er sich ungewöhnlicher Weise für einen Beruf mit ähnlich hohem Lärmpegel wie im Fußballstadion: Er wird Grundschullehrer.
Von seiner spannenden Entwicklung erzählt jetzt ein Buch, welches aktuell noch ziemlich neu auf dem Markt ist, und welches ich hier und heute gerne einmal kurz unseren Lesern vorstellen möchte.
Aki Watzke und Thomas Tress (rechts). Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA („BVB“) hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 den höchsten Umsatz ihrer Geschichte erzielt.
Vom 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 steigerte der BVB den Konzernumsatz um 7,8 Prozent auf einen neuen Rekord von € 405,7 Mio. Transferbereinigt stiegen die Konzernumsatzerlöse um 16,8% auf einen neuen Rekord in Höhe von € 328,4 Mio. (Vorjahr € 281,3 Mio.). Dies vermeldeten heute der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke, sowie Geschäftsführer Thomas Treß im Rahmen der Bilanzpressekonferenz zu den vorläufigen Zahlen des Geschäftsjahres 2016/17.
„Wir haben unsere Umsatzschallmauer durchbrochen. Das hatten wir eigentlich erst für 2019 geplant“, erläuterte Hans-Joachim Watzke und stellte heraus: „Von 2011 bis 2017 haben wir insgesamt einen Gewinn nach Steuern in Höhe von 134 Millionen Euro erzielt und stellen damit eines der gewinnträchtigsten Unternehmen in Europa dar.“ Watzke skizzierte den Wert von Borussia Dortmund „jenseits von einer Milliarde Euro“.
Wie groß ist der Zusammenhalt beim BVB? Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
In den letzten Tagen haben auch wir hier bei uns im Blog häufig über den Slogan ‚Echte Liebe‘ im Zusammenhang diskutiert. Nicht erst seit den unsäglichen Vorgängen rund um den ‚Streik‘ von Ousmane Dembele übrigens.
Daher möchte ich hier an dieser Stelle nun einfach auch mal kurz auf eine Dokumentation des WDR hinweisen, welche heute Abend im WDR-Fernsehen zu sehen sein wird. Diese dürfte vermutlich recht interessant werden bzw. sein für alle Fußballinteressierten, wenn der Fall Dembele darin auch noch keine Rolle spielen dürfte, da die Inhaltsbeschreibung nur bis zur jüngsten Asienreise der Schwarzgelben reicht. Aber sei es drum, die Thematik ist ja von recht grundsätzlicher Natur:
Borussia Dortmund: Echte Liebe?, 20. August 2017, 22.15 – 23.00 Uhr, WDR-Fernsehen
(Autor: Marc Schlömer, Redaktion: Frank Meyer)
DFB-Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund wirbt mit dem Slogan „Echte Liebe“. Doch wie viel Platz ist in Dortmund tatsächlich für echte Vereinsliebe? Die Dokumentation begleitet den Klub und seine Fans zum DFB-Pokalfinale nach Berlin, an den Dortmunder Borsigplatz und auf einer Trainings- und Promotionreise durch Asien. Vereinsbosse wie langjährige Fans erzählen von anhaltender, aber auch gebrochener Liebe zu Borussia Dortmund. Kann der Spagat zwischen Tradition und hartem Business im modernen Fußball überhaupt noch gelingen?
Hat in letzter Zeit wieder häufig ein Lächeln im Gesicht: Nuri Sahin. Foto: Robin Patzwaldt
Wenn man einmal von den ganzen Transfer-Gerüchten und –Debatten beim BVB absieht, und sich auf die eigentlich bedeutenderen sportlichen Knackpunkte innerhalb der Mannschaft konzentriert, dann kommt man derzeit sehr schnell auf den Namen von Nuri Sahin.
Ein durchaus netter, intelligenter Kerl, wie es scheint, der Borussia Dortmund liebt, wie er immer wieder betont. So etwas mag der Fan natürlich besonders gerne, ist es im modernen Profifußball doch (nur noch) selten zu finden. Sahin scheint ein echter Glücksfall für alle Fußballromantiker zu sein. Der Werbeslogan ‚Echte Liebe‘, den der BVB regelmäßig öffentlich zur Schau trägt, der scheint im Falle des jungen Türken tatsächlich so Realität zu sein.
Ein etwas kritischerer Ansatz bringt jedoch rasch auch die weniger sonnige Seite des Mittelfeldakteurs zu Gesicht. Der von Teilen der BVB-Elf in der Öffentlichkeit ausgetragene Streit um die Nichtnominierung Sahins beim DFB-Pokalendspiel am 27. Mai in Berlin ist nur ein Teil davon.
Ousmane Dembélé im BVB-Trikot. Foto: Robin Patzwaldt
Das ohnehin schon extreme Wechseltheater rund um die Fußball-Bundesliga in diesem Sommer droht aktuell um ein weiteres unrühmliches Kapitel reicher zu werden. Nachdem seit Tagen über einen möglichen Abgang von Ousmane Dembélé von Borussia Dortmund in Richtung FC Barcelona spekuliert wurde, der Spieler bei gestrigen Mannschaftsfototermin in Dortmund-Brackel schon durch einen desinteressierten bis sauertöpfischen Blick auffiel, fehlte er heute unentschuldigt beim Teamtraining.
Dies bestätigte Neu-Trainer Peter Bosz den überraschten Journalisten bei der obligatorischen Spieltagpressekonferenz vor dem Spiel in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde des BVB am Wochenende. Man habe Dembele nicht erreichen können, hieß es dazu von Vereinsseite. Er (Bosz) hoffe, dass nichts Schlimmes passiert sei, so der Coach am Donnerstagnachmittag.
Inzwischen vermeldet der Sportnachrichtensender ‚Sky Sport New HD‘ jedoch tatsächlich bereits, dass der Spieler nach ihren Informationen derzeit auf dem Weg nach Barcelona sei.
Fotos aus Gelsenkirchen: Michael Kamps, Foto aus Dortmund: Robin Patzwaldt
Mit der Kommerzialisierung des Fußballs haben sich auch die beiden führenden Ruhrgebietsclubs aus Gelsenkirchen und Dortmund in den letzten Jahren dramatisch verändert. Und sie tun es noch immer in rasantem Tempo.
Einerseits ist das vorteilhaft und daher zwingend notwendig für ihre Wettbewerbsfähigkeit im übergeordneten Sinne, andererseits sind die Auswirkungen eben häufig auch nachteilig für die Fans in der Region.
Jüngstes Beispiel: Die über das Wochenende durchgeführten Saisoneröffnungsfeiern bei S04 und BVB.
Während der BVB seit Jahren schon Terminprobleme damit hat überhaupt noch einen geeigneten Termin für das Fest mit den Fans zu finden, da er inzwischen in schöner Regelmäßigkeit am Supercup, dem von Liga und DFB verordneten Vergleich mit den ungeliebten Bayern teilnehmen ‚muss‘, somit in dieser Phase der Vorbereitung von Testspiel zu Testspiel hetzt, bevor die Liga überhaupt erst so richtig Fahrt aufnimmt, tun sich die Nachbarn aus Schalke damit noch etwas leichter.
Daraus resultiert auch die Tatsache, dass die Schalker Spieler bei dieser Gelegenheit auch noch immer etwas zugänglicher für die Anhängerschaft sind als ihre Profikollegen aus dem schwarzgelben Lager.
Die Dortmunder Verantwortlichen bei der Vorstellung von Peter Bosz. Foto: Robin Patzwaldt
Dass Peter Bosz beim BVB als Cheftrainer nach Thomas Tuchel kein leichtes Erbe antreten würde, das war eigentlich vom Tag seiner Verpflichtung an klar. Denn schließlich hatte es der bei der Vereinsführung in Ungnade gefallene Tuchel mit den Schwarzgelben am Ende seiner Amtszeit noch geschafft, zum Abschluss zweier insgesamt sehr erfolgreichen Jahre, zur Krönung sozusagen, den DFB-Pokal mal wieder aus Berlin mit in das Ruhrgebiet zu bringen.
Dass Tuchel dann trotzdem nicht als Cheftrainer beim Verein weitermachen durfte, das war vielen Fans und Beobachtern seinerzeit eben nur schwer bis gar nicht zu vermitteln. Der BVB entschied sich trotzdem zu diesem riskanten und damals sehr unpopulären Schritt, eiste als Tuchels Nachfolger auf der Bank im Juni den Niederländer Peter Bosz von Ajax Amsterdam los.
Und dieser präsentierte sich bei seinen ersten Auftritten in Dortmund dann auch durchaus sympathisch und tatendurstig. Sein offensiver Spielstil, seine kommunikative Art, sein Selbstvertrauen. Rasch hatte sich der Niederländer erste Pluspunkte im Umfeld erwirtschaftet, ohne je ein einziges Spiel mit dem Team abgeliefert zu haben.
In den letzten Tagen, da bröckelt der Kredit bei vielen Anhängern des Pokalsiegers jedoch schon wieder leicht. Die ersten Testspiele, welche Bosz mit den Schwarzgelben seit dem Trainingsbeginn Anfang Juli ablieferte, verliefen alles andere als ideal.
Wer gedacht hätte, dass die unsäglichen Transferspekulationen rund um die Personalie Pierre-Emerick Aubameyang bei Borussia Dortmund mit dem Ablauf des Sommer-Transferfensters in China nun endlich ein Ende gefunden haben, der sieht sich spätestens seit den letzten Stunden diesbezüglich schwer getäuscht.
Medienberichte legen aktuell nämlich einen bereits quasi feststehenden Transfer des Gabuners im Winter in Richtung China nahe. Der BVB dementierte zwar umgehend, dass es eine entsprechende Entscheidung gäbe. Spekuliert und berichtet wird darüber aber auch weiterhin. Natürlich, möchte man meinen. Und der Stürmer selber schweigt zur Sache. Immer noch!
Das Ganze steht in diesem Sommer inzwischen symbolisch für einen völlig aus den Fugen geratenen Transfermarkt, der, neben den zuletzt immer irrwitziger gewordenen Transfer-Entschädigungen inzwischen auch nur noch aus Spekulationen und Gerüchten zu bestehen scheint.
Längst vergessen damit auch die Zeiten, als man sich noch auf das Kicker-Sonderheft vor dem Start der Bundesligasaison freute um sich dann dort einen fundierten Überblick verschaffen zu können, welche Veränderungen die einzelnen Spielerkader der Vereine im Profifußball über den Sommer erfahren haben.
Das Geschäft ist inzwischen so aufgebläht, durch Internet und Fernsehen massiv gefördert so ganzjährig geworden, dass man auch den eigentlich traditionell weitestgehend fußballfreien Sommer inzwischen längst nicht mehr (wie früher zumindest in Sommern ohne WM und EM stets gewohnt) vorfindet.
Kaum ein Tag an dem nicht irgendwo Fußball im TV gezeigt wird, wo nicht eine prominente Transferspekulation auf die Nächste folgt. Einerseits verständlich, da das Interesse daran ja da zu sein scheint, andererseits allerdings inzwischen auch offenkundig an einer Grenze angekommen, wo selbst dem fußballbegeisterten Beobachter so langsam die Geduldsschnur reißt.
Die Protagonisten sollten aufpassen, dass die Blase, von der viele aktuell noch sehr gut zu leben scheinen, sonst nicht in Kürze dramatisch platzt!