Wenn man sich über Trump lustig machen will, aber einfach nur peinlich ist…

Präsident Donald Trump unterzeichnet Durchführungsverordnungen Foto: The Trump White House Lizenz: Gemeinfrei

US-Präsident Donald Trump hat bereits zu Beginn seiner Amtszeit ein Dekret erlassen, wonach es in den USA künftig nur noch männlich und weiblich als Geschlecht gibt. Aufgrund der Formulierung: „Weiblich“ sei eine Person, „die bei der Empfängnis dem Geschlecht angehört, das die große Reproduktionszelle produziert“ und „Männlich“ wiederum sei eine Person, „die bei der Empfängnis dem Geschlecht angehört, das die kleine Reproduktionszelle produziert“ kursieren seitdem diverse Posts und Videos, die sich darüber lustig machen und Donald Trump zur Frau erklären. Das ist biologisch allerdings völliger Unsinn. Für mich als Biologielehrerin ist es tatsächlich zum Haare raufen, denn meine Schüler werden durch derartige Falschdarstellungen völlig verunsichert.
Beispielhaft für die angebliche Erklärung von Trump zur Frau ist die Argumentation des Faktenchecker-Blogs Mimikama.

Darin führt man aus: „Wissenschaftlich betrachtet sind alle Embryos anfangs weiblich. Sprich: Trump hat unabsichtlich alle Männer abgeschafft – inklusive sich selbst.“ Nein, liebe Faktenchecker, Embryos sind tatsächlich von Beginn der Zeugung an genetisch als weiblich oder männlich festgelegt. Denn die große weibliche Eizelle steuert ein X-Chromosom bei und das eine Spermium, dem es gelingt mit dieser Eizelle zu verschmelzen, bestimmt im Moment der Verschmelzung das biologische Geschlecht des entstehenden Embryos. Das Spermium steuert entweder ein weiteres X-Chromosom bei und ein weibliches Individuum entsteht. Oder es trägt mit einem Y-Chromosom dazu bei, dass ein männliches Wesen zu wachsen beginnt. Trump hat also wissenschaftlich völlig korrekt formuliert. Wie kommt man also darauf?

Am Anfang entwickeln sich die Embryonen gleich, nicht etwa weiblich, sondern eben ohne eine geschlechtsspezifische Differenzierung der Geschlechtsorgane. Was auch nichts Besonderes ist, da ja bei dem komplexen Organismus Mensch nicht sofort alles gleichzeitig entstehen kann. Es entsteht zunächst der Müller-Gang, eine embryonale Genitalanlage, die bei beiden Geschlechtern vorhanden ist. Aus ihm entwickeln sich bei der Frau dann die Eileiter, der Uterus und die Vagina. Durch die Aktivierung des SRY-Gens, dass sich auf dem Y-Chromosom befindet und für die Entwicklung der Hoden und somit der ersten Testosteron-Ausschüttung verantwortlich ist, beginnt die Differenzierung der männlichen Geschlechtsorgane. Ohne dieses Gen, also ohne Y-Chromosom bzw. Testosteron entwickeln sich weibliche Geschlechtsorgane. Das ist alles. „…dass menschliche Embryonen in den ersten sechs Wochen nach der Zeugung nach einem „weiblichen“ Entwicklungsplan verlaufen.“ stimmt so nicht. Denn unmittelbar zum Zeitpunkt der Befruchtung wird festgelegt, ob sich eine Frau oder ein Mann entwickelt. Dass die männlichen Embryonen sich vor der 10. Schwangerschaftswoche, also bevor durch das SRY-Gen die Hoden entstehen und der erste wichtige Testosteronschub erfolgt, genauso entwickeln wie die weiblichen, bedeutet nicht, dass sie auch weiblich sind. Genauso wenig sind alle Embryonen weiblich, weil ohne SRY-Gen und ohne Testosteron eine Entwicklung weiblicher Geschlechtsorgane erfolgt. Genetisch ist das Geschlecht zum Zeitpunkt der Befruchtung eindeutig festgelegt. Denn, wenn alles nach Plan läuft, entwickeln sich aus dem Genotyp XX immer Frauen und aus dem Genotyp XY immer Männer. Der entsprechende Phänotyp (Frau oder Mann) produziert dann auch entsprechend große oder kleine Geschlechtszellen. Und das steht bei der Befruchtung schon fest.

Läuft es nicht nach Plan, dann liegen Störungen der Geschlechtsentwicklung (Disorders of sex development, DSD, Intersexualität) vor. Zu diesen Ausnahmen also zum Thema Intersexualität habe ich bereits ausführlich geschrieben  Immer wieder werden Menschen mit DSD von Transaktivisten für ihre woke Agenda instrumentalisiert. Das I in LGBTQ darf nicht fehlen. Und auch in dem Artikel der sogenannten Faktenchecker wird die Mär vom Geschlechterspektrum erzählt: „Das Dekret ignoriert, dass Geschlecht ein Spektrum ist – medizinisch, biologisch und rechtlich.“ Biologisch ist das Geschlecht kein Spektrum. So wäre eine Fortpflanzung unmöglich. Es muss fortpflanzungsfähige Männer und Frauen geben damit unsere Art überlebt. Ein Spektrum sichert keinen evolutionären Vorteil. In einem Spektrum entstehen nicht genau zwei Arten von Geschlechtszellen, nämlich große und kleine. Und die braucht es damit sie sich zu einer befruchteten Eizelle vereinigen können und daraus ein neuer Mensch entsteht. Das sogenannte Spektrum umfasst im wesentlichen Individuen, die sich eben nicht fortpflanzen können. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass dies nicht diskriminierend gemeint ist. Auch Menschen mit DSD und andere unfruchtbare Menschen sind wertvolle und wichtige Mitglieder unserer Gesellschaft. Biologisch und medizinisch muss man aber bei den Tatsachen bleiben, sonst ist niemandem geholfen. Medizinisch wird auf die Binarität des Geschlechts sogar in einem Beschluss des Ärztetages hingewiesen.  Es ist im medizinischen Bereich besonders wichtig zwischen Mann und Frau zu unterscheiden, weil wir keineswegs physiologisch gleich sind. Bei Diagnose und Therapie, besonders auch bei der Wirkung und Anwendung von Arzneimitteln müssen die Unterschiede zwischen Mann und Frau berücksichtigt werden. Rechtlich gibt es in Deutschland männlich, weiblich, divers und kein Eintrag. So sieht also rechtlich ein Spektrum aus? In den USA gibt es nun dieses “rechtliche Spektrum“ nicht mehr.
Wie die Zeit, die das Thema des angeblich weiblichen US-Präsidenten auch aufgegriffen hat, richtig schreibt, ist das Dekret von Trump ziemlich unterkomplex. Man müsste hier mindestens präzisieren, dass die beiden Geschlechter für die Produktion von jeweils großen bzw. kleinen Geschlechtszellen ausgelegt sind. Die woke Formulierung der Zeit „das Geschlecht wird zugewiesen“, ist allerdings genauso unterkomplex, wie Trumps Dekret. Der Beschluss des Ärztetages bezeichnet es richtig. Denn das Geschlecht wird zur Geburt “festgestellt“. In den Fällen, wo dies nicht von ersten Anblick der Genitalien möglich ist, gibt es weitere diagnostische Möglichkeiten. Wenn es schwierig sein sollte, handelt es sich um die erwähnten Störungen der Geschlechtsentwicklung.

Derartige Ausnahmen sind ausgesprochen vielfältig und wie bereits erwähnt äußerst selten. Viele DSD werden in Trumps unterkomplexer Definition aber durchaus passend miteingeschlossen. So sind Männer mit Klinefelter-Syndrom, die über ein zusätzliches X-Chromosom verfügen genetisch und phänotypisch Männer, Frauen mit Turner-Syndrom, denen ein X-Chromosom fehlt, Frauen. Dass sie i.d.R. unfruchtbar sind, spielt dafür keine Rolle. Das wird ja in Trumps Dekret auch nicht weiter ausgeführt. Problematisch wird Trumps Definition bei anderen DSD. Weichen Phänotyp und Genotyp komplett voneinander ab, fehlt z.B. in der Frühschwangerschaft das Testosteron bzw. kann dieses nicht wirken, wie bei der kompletten Androgenresistenz (CAIS), entwickeln sich die äußeren Geschlechtsmerkmale einer Frau. Sie besitzt aber keine Gebärmutter und die Hoden sind innenliegend. Phänotypisch ist sie aber eher eine Frau und fühlt sich auch wie eine Frau, genetisch ist sie aber ein Mann. Diese XY-Frauen gelten nun in den USA rechtlich als Mann.

Auch fallen bei Trump leider Menschen mit genetischer Intersexualität durchs Raster, also Chimären oder Mosaike. Hier ist die Genetik uneindeutig (45,X/46,XY oder 46,XX/46,XY). Der Phänotyp könnte dann entscheidend sein, aber für genetisch uneindeutige Menschen mit intersexuellem Genital, gibt es keine Regelung. Diese existieren momentan laut Trump gar nicht. Man wird in den USA nicht umhin kommen solche medizinischen Seltenheiten irgendwie zu berücksichtigen. Ihrer permanenten Instrumentalisierung durch Transaktivisten wird durch Trumps Dekret allerdings erst einmal ein Riegel vorgeschoben.

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Werbung